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„Ihr seid eine Bereicherung“ Longericher Gespräch mit Flüchtlingen

Vor dem Altar in der Immanuelkirche sitzen sechs Menschen. Flüchtlinge. Sehr emotional berichten sie von Krieg und Not in ihren Heimatländern, von ihrer Verfolgung als Christen, von ihrer Odyssee nach Longerich, von den zahlreichen Stationen ihrer Flucht, von den Problemen in den Lagern. Sie haben recht schnell und mit viel Fleiß und Anstrengung die deutsche Sprache gelernt und trauen sich fast alle, Deutsch zu sprechen.

Die Gesprächsrunde hatte der Veranstaltungskreis „Longericher Gespräche“ organisiert. Vorgestellt wurde die Arbeit der Flüchtlingsinitiative Willkommen in Longerich (WiLo) und von Menschen, die von Helfern der Initiative betreut worden sind und die in Longerich Fuß gefasst haben. Bemerkenswert sind ihr Ehrgeiz und ihr Einsatz. Alle auf dem von der katholischen Gemeindereferentin Beate Schultes moderierten Podium äußern klare Ziele: Abitur, Berufsausbildung, Verbesserung der deutschen Sprache. Einige Teilnehmer der Runde haben bereits einen Beruf! Alle sprechen von großer Dankbarkeit für die Hilfe, die sie hier erfahren durften. Und es wird gelacht, aber es fließen auch Tränen. „Ihr seid eine Bereicherung!“. Für diesen Beitrag aus dem Kreis der Zuhörer gibt es großen Beifall.

Zur Zeit leben etwa 9.500 Flüchtlinge in Köln. In Longerich ist die Verteilungsdichte mit 1,5 Prozent pro Einwohner relativ gering. Das Flüchtlingsheim am Lindweilerweg ist seit März 2015 mit ungefähr 70 Menschen, davon 50 Kindern belegt. Inzwischen plant die Stadt Köln einen Neubau gleicher Größe. Es soll im 2. Quartal 2019 fertig werden. Das Hotel Hugo in der Hugo-Junckers-Straße, in dem seit Februar 2016 geflüchtete Menschen untergebracht sind, soll Ende Januar 2019 geschlossen werden. Die Stadt Köln bemüht sich nach eigenen Aussagen, die dort lebenden Menschen ortsnah unterzubringen.

Abschiede gab es auch schon im Haus am Lindweilerweg. Andreas Schäfer, Sozialarbeiter und Leiter des Heims, berichtet von Umzüge in andere Wohnungen und auch von der Rückführung von Familien in ihr Heimatland. Schäfer freut sich darüber, dass er den Menschen am Lindweilerweg vergleichsweise geräumige Wohnungen mit Küche, Bad genügend Rückzugsraum bieten kann. „Das Haus lebt“, sagt er und lobt die gute Zusammenarbeit mit den benachbarten KiTas, Grundschulen, den Kirchengemeinden und auch mit WiLo.

Die Ausrichtung und Arbeit von WiLo hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. So werden Angebote zur Sprachförderung kaum mehr nachgefragt, da die Stadt Köln Integrations- und zertifizierte Sprachkurse anbietet. Die WiLo-HelferInnen arbeiten individuell und familienbezogen. Aus früheren Patenschaften sind Freundschaften geworden. Die Unterstützung ist vielfältig: Hilfen bei Wohnungssuche, Suche nach Mobiliar, Suche nach KiTa- oder Schulplätzen, Begleitung bei Behördengängen, Arztbesuchen…Immer noch sehr gut besucht ist das freitags angebotene „Elterncafe“ im Pfarrheim von St. Dionysius. Es ist ein Anlaufpunkt für Groß und Klein, in entspannter Atmosphäre werden Fragen, Probleme Wünsche angesprochen und gemeinsam nach Lösungen gesucht.